Gutes Superfood oder billiger Abfall?
Du stehst im Tierfachmarkt, drehst die Futterdose um und liest auf dem Etikett das Wort „Tierische Nebenerzeugnisse“.
Vielleicht macht sich in diesem Moment ein leicht ungutes Gefühl in deiner Magengegend breit.
Was genau füttere ich meinem Liebling da eigentlich? Sind das nur Schlachtabfälle?
Wir verstehen dich vollkommen. Wenn es um unsere Vierbeiner geht, wollen wir schließlich nur das Beste.
Das Etikettengewirr kann aber schnell verunsichern.
Die gute Nachricht ist:
Du bist mit dieser Verwirrung nicht allein.
Der Begriff ist eines der am häufigsten missverstandenen Konzepte in der Tierfutterindustrie.
Lass uns gemeinsam Licht ins Dunkel bringen.
Wir zeigen dir, warum tierische Nebenerzeugnisse manchmal absolute „Superfoods“ sind – und wann du die Dose oder den Trockenfuttersack lieber schnell wieder ins Regal stellen solltest.
Inhaltsverzeichnis
- Gutes Superfood oder billiger Abfall?
- Das Gesetz: Ein Blick hinter die Kulissen
- Der große Sammeltopf: Warum nicht alles Gold ist, was glänzt
- Das „Gute“: Hochwertige Innereien als Superfoods
- Unser Versprechen an dich:
- Das „Schlechte“: Minderwertige Füllstoffe
- Die Protein-Falle: Billig produziert, teuer verkauft 🙈
- Unser Fazit für dich
Unser Video dazu auf Youtube
Das Gesetz: Ein Blick hinter die Kulissen
In der Europäischen Union ist genau geregelt, was in den Napf deines Hundes oder deiner Katze darf.
Alles, was vom Tier stammt, aber nicht von uns Menschen gegessen wird, regelt die sogenannte Verordnung (EG) Nr. 1069/2009.
Klingt trocken? – Ist aber wichtig!
Diese Verordnung teilt tierische Nebenprodukte in drei Kategorien ein:

- Kategorie 1 & 2 (Absolutes No-Go):
Das sind hochriskante Materialien, wie kranke oder verendete Tiere sowie Tiere mit Medikamentenrückständen. Diese Dinge dürfen niemals in Tierfutter gelangen. Sie werden sicher entsorgt oder verbrannt.
- Kategorie 3 (Die Futter-Kategorie):
Dies ist die einzige Kategorie, die für die Herstellung von Heimtierfutter zugelassen ist. Das bedeutet: Das Ausgangstier war kerngesund und wurde tierärztlich für den menschlichen Verzehr freigegeben. Aus kommerziellen Gründen (z.B. weil wir Menschen in unserer Kultur seltener Innereien essen) landen diese Teile aber nicht im Supermarkt, sondern im Futternapf.
Der Haken an der Sache:
Nur weil ein Nebenprodukt aus der Kategorie 3 stammt, heißt das leider nicht, dass es ein leckeres Schnitzel ist.
Der große Sammeltopf: Warum nicht alles Gold ist, was glänzt
Stell dir Kategorie 3 wie einen riesigen Sammeltopf vor.
In die eine Ecke wirft der Schlachter das Herz und die Leber (ein Festmahl für deinen Hund!), in die andere Ecke wandern Federn, Klauen und Borsten.
Beide Ecken stammen von gesunden Tieren.

Beide Ecken dürfen auf dem Etikett unter dem gleichen Sammelbegriff „Tierische Nebenerzeugnisse“ zusammengefasst werden.
Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen.
Es gibt gute und es gibt schlechte Nebenerzeugnisse.
Das „Gute“: Hochwertige Innereien als Superfoods
Für Hunde und Katzen sind hochwertige Nebenerzeugnisse essenzielle Nährstofflieferanten.
In der Natur würde ein Raubtier sein Beutetier schließlich mit den wichtigen Innereien fressen.
Zu den guten, wertvollen Zutaten zählen:

- Herz: Muskelfleisch und ein toller Energie-Lieferant.
- Leber: Eine wahre Vitaminbombe! Sie liefert viel Vitamin A, B-Vitamine und Eisen.
- Pansen & Blättermagen: Enthalten vorverdaute Pflanzenreste und unglaublich wichtige Enzyme für eine gesunde Darmflora.
- Lunge & Niere: Liefern wertvolle Proteine und Mineralstoffe, ohne den Körper zu belasten.
Unser Versprechen an dich:
Wenn wir in der Futterberatung für dich ein Futter empfehlen wo mal „tierische Nebenerzeugnisse“ draufsteht, sprechen wir exakt von diesen hochwertigen Rohstoffen:
Herzen, Leber, Pansen, Fleischabschnitte, Lungen, Nieren und Schlund.
Wir würden dir nie ein Futter empfehlen, welches Schlachtabfälle verwendet!
Du kannst dir also sicher sein, dass dein vierbeiniger Liebling genau das bekommt, was ihn stark und gesund hält.
Das „Schlechte“: Minderwertige Füllstoffe
Jetzt schauen wir auf die dunkle Seite des Sammeltopfs.
Obwohl die folgenden Dinge rechtlich erlaubt sind (Artikel 10 lit. h der Verordnung), haben sie für unsere Fleischfresser kaum einen biologischen Wert:

- Federn, Klauen, Schnäbel: Diese bestehen primär aus Keratin. Für Hunde und Katzen ist es schlichtweg unverdaulich.
- Borsten und Wolle: Sie bieten absolut null Nährwert und dienen der Industrie oft nur als billige „Auffüller“.
- Grieben: Das sind die harten Rückstände aus der Talg- und Fettgewinnung.
Die Protein-Falle: Billig produziert, teuer verkauft 🙈
Warum nutzen einige Hersteller überhaupt Federn oder Hufe?
Die Antwort ist leider simpel:
Es ist extrem billig.
Außerdem gibt es einen fiesen Trick:
Diese unverdaulichen Teile bestehen chemisch gesehen aus Protein.
Wenn ein Hersteller sie ins Futter mischt, steigt auf dem Etikett bei der Analyse automatisch der Gesamt-Proteingehalt.
Für dich als Käufer sieht das im ersten Moment nach einem tollen, fleischhaltigen Futter aus.
Die Realität ist jedoch und da sprechen wir aus jahrelanger Erfahrung in der Futterberatung:
- Es hat keinen echten Nährwert für dein Tier, da es nicht verwertet werden kann.
- Es kann stark allergieauslösend wirken (oft reagieren Hunde mit Juckreiz oder Magenproblemen).
- Es schadet auf Dauer den Organen deines Vierbeiners, da Nieren und Leber den „Müll“ mühsam wieder abbauen müssen.
Unser Fazit für dich
Du machst alles richtig, wenn du dir Gedanken über die Ernährung deines Lieblings machst.
Lass dich von dem Begriff tierische Nebenerzeugnisse nicht generell abschrecken, aber sei wachsam.
Wenn ein Hersteller offen, ehrlich und transparent deklariert, welche Nebenerzeugnisse verarbeitet wurden, hast du ein gutes Futter in den Händen.

Bleibt der Hersteller vage und versteckt sich hinter dem Sammelbegriff, ist Vorsicht geboten.
Dein Hund vertraut dir – und du darfst deinem gesunden Menschenverstand vertrauen.
Bei Fragen oder dem Bedarf nach einer kostenfreien Futterberatung: wende dich einfach direkt an uns!
Eure Andrea
